Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

22.10.2026

Der Unterhosen-Test

Haben Sie schon einmal eine Unterhose im Garten vergraben? Was wie ein schlechter Scherz klingt und vermutlich Kopfschütteln hervorruft, war Teil eines wissenschaftlichen Projekts. Schweizer Forscher und Hobbygärtner vergruben weiße Baumwollunterhosen in der Erde. Nach ein paar Monaten wurden sie wieder ausgegraben. Das Ziel? Je zerfressener, löchriger und zerfallener die Unterhose war, desto besser die Bodenqualität. Denn ein zerfetztes Stück Stoff zeigt: Der Boden lebt! Millionen von unsichtbaren Mikroorganismen, Würmern und Bakterien sind aktiv und zersetzen die Baumwollunterhosen. Wurde hingegen eine intakte Unterhose ausgegraben, dann war klar: Der Boden ist tot.

Mich fasziniert dieses Projekt: Ich sehe dem Boden von außen meistens nicht an, wie es um seine innere Qualität bestellt ist. Ich kann es nur vermuten. Erst wenn man etwas hineingibt und abwartet, zeigt sich das wahre unterirdische Leben, das Leben im Verborgenen.

Das erinnert mich an ein bekanntes Gleichnis von Jesus: das Gleichnis vom Sämann (Mt. 13). Da geht es auch um unterschiedliche Böden. Jesus beschreibt Herzen, die wie ein harter Weg sind, auf dem nichts wächst, oder wie felsiger Boden, der kein Wachstum zulässt wegen mangelnder Tiefe. Und er spricht vom guten Boden, der Frucht bringt.

Ich frage mich: Wie steht es eigentlich um die Bodenqualität meines eigenen Lebens, genau genommen meines Herzens und meiner Seele?

Wenn ich mich gelegentlich metaphorisch eingrabe – in der Krise oder im Ärger –, was passiert dann? Werden die Dinge, die ich festhalten will (mein Ego, mein Stolz, meine Fassade oder Frust), von Gottes lebendiger Kraft in meinem Inneren sanft zersetzt, damit Neues wachsen kann? Je stärker meine Unarten zersetzt werden, desto intensiver ist mein Leben mit Gott bzw. seine Wirksamkeit in meinem Leben. Das ist meine Erfahrung.

Ein gesunder Boden im Glauben ist kein steriler Ort. Ein lebendiger Glaube arbeitet, zersetzt und lässt neu wachsen, was ich ihm bzw. Gott überlasse. Er gestaltet, prägt und bringt geistliche Früchte hervor, die für andere spürbar werden. Manchmal müssen alte Gewohnheiten wie alte Kleider vergammeln, damit der Boden des Herzens durch Gottes Wirken und Lieben ein verändertes Verhalten hervorbringt. Denn mein äußeres Verhalten wird von meinem inneren Wesen geprägt.

Vielleicht lohnt es sich, etwas weniger auf die makellose Oberfläche zu achten. Anstelle dessen den Blick in die Tiefe wagen und fragen: Ist mein Herz bereit, lebendiger, guter Boden zu sein, der den Umgang mit den Herausforderungen des Alltags umgestalten darf?

Bleiben Sie gesund und behütet.
Pastor Burkhard Heupel

Emmaus-Gemeinde

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