Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

03.09.2026

Verpackung

Verpackung kann wunderschön sein. Ich erinnere mich an Christo (1935–2020) und Jeanne-Claude (1935–2009), ein Künstlerehepaar, das Ende des letzten Jahrhunderts mit spektakulären Verhüllungsprojekten bekannt wurde. Unvergesslich für mich der verpackte Reichstag.

Bei bestimmten Produkten ist das Auspacken (Unboxing) ein inszenierter Teil des Gesamterlebnisses, bei denen die Verpackung fest zum Event gehört. Bei Apple-Produkten nutzen die Schachteln ein präzises Vakuum: Beim Anheben des Deckels bleiben dem unteren Teil der Schachtel (Box) sieben Sekunden Zeit, um sanft nach unten zu gleiten. Dies erzeugt bewusste Vorfreude. Steve Jobs (1955-2011) war davon überzeugt, dass das Unboxing ein rituelles Erlebnis sein muss.

Und die Postkarte, die mir kürzlich jemand schenkte, war in Herzchen-Papier eingepackt. Postkarte und Geschenkpapier werden zusammen aufbewahrt: Verpackung kann wunderschön und erlebnisreich sein!

Aus unterschiedlichen Gründen bleiben manche Christen bei der Verpackung stehen, zum Beispiel Familienfeste, Traditionen oder Rituale und finden nicht zum Inhalt, nämlich der lebendigen Beziehung zu Gott.

Es bleibt bei Redewendungen vom lieben Gott, Ritualen anlässlich von Familienfeiern an bestimmten Lebensübergängen oder einfach bei Bequemlichkeit. Vielleicht wurden Christen nie dazu angeleitet, wie man die Verpackung öffnet. Oder haben sich nicht die Frage gestellt: Wie finde ich von Formen und Ritualen zu einer lebendigen Beziehung zu Gott?

Die Verpackung ist nicht per se schlecht – sie hält den Glauben oft über Generationen hinweg zusammen und gibt Halt. Egal, ob es um die familiäre Tauffeier, Kerzen, einem Kreuz oder den Heiligabend-Gottesdienst geht. Tragisch wird es im christlichen Sinne dann, wenn das Geschenk in der Box ungeöffnet bleibt und die Schönheit des Inhalts, die befreiende Liebe Gottes, nie erfahren wird.

Beim letzten Heiligabend Gottesdienst wurde Jesus, als DAS Weihnachts-Geschenk in der Ansprache thematisiert. Ich forderte die Gemeinde dazu auf, dieses Geschenk täglich auszupacken. Weiter bat ich darum, auch mich daran zu erinnern, dass ich nicht bei der Verpackung stehen bleibe. Es sind die Jugendlichen Anna und Simon, die mich bei jeder Begegnung fragen: Hast du das Geschenk heute schon ausgepackt? Manchmal bringen sie mich damit in Verlegenheit. Ihr Impuls ist wertvoll für mich.

Viel zu oft geben sich Christen mit der Verpackung zufrieden - und erleben nicht das Ausmaß von Jesu Liebe und Transformation. Begnügst du dich im Glauben mit der Verpackung?

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

→ zum Archiv→ Home