Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

06.08.2026

Mein Lieber!

Eine gute Bekannte, mit der ich gelegentlich telefoniere, benutzt im Laufe des Gesprächs die Worte: Mein Lieber! Ich bin verunsichert. Wird jetzt Süßholz geraspelt, ist es eine Floskel oder wie sind die beiden Worte gemeint?

Ein Mitarbeiter der Gemeinde, der ab und zu ins Gemeindebüro kommt, grüßt immer mit den Worten: Na, mein Lieber! Für mich klingt die Anrede leicht ermahnend (Hör mal, mein Lieber...) und irgendwie klingt mit, wenn meine Mutter zu mir als Kind sagte: Mein lieber Scholli! Dann galt es die Ohren zu spitzen, denn es folgte eine Ansage.

Eine gute Freundin wiederum beginnt ihre Textnachricht an mich mit Mein Lieber und ich fühle mich geschmeichelt. Die Anrede tut in diesem Kontext plötzlich gut. Sie bringt damit unsere Beziehung zum Ausdruck, ohne dass Grenzen überschritten werden.

Selbst der ortansässige Restaurantbesitzer spricht mich kürzlich mit einem freundlichen Na, mein Lieber, hat es geschmeckt? an, nachdem ich die Balkanplatte verzehrt habe.

Schon länger beschäftigen mich die beiden Worte, und die Frage, wie ich sie einordnen soll. Bin ich tatsächlich ein geliebter Mensch oder klingt dies nur vordergründig so und es versteckt sich dahinter der erhobene Zeigefinger? Ich wünsche mir, dass es keine Floskel ist, sondern Wertschätzung. In Worte gefasste Identität und Beziehung.

Jeder wünscht sich, geliebt zu sein. Noch besser, wenn dies auch ausgesprochen und ehrlich gemeint ist. Ja, dann tun die Worte mein Lieber meiner Seele gut.

Menschen suchen oft lebenslang nach Anerkennung. Gott setzt diese Anerkennung an den Anfang einer jeden Beziehung. Bevor jemand etwas leistet, gilt sein: Mein Lieber!. Wer jemanden im guten Sinne mein Lieber nennt, beansprucht eine Beziehung. Gott beansprucht dich nicht, um dich zu besitzen, sondern um dich zu begleiten. Gott mahnt mit diesen Worten nicht, er hat auch keine versteckte Botschaft.

Wenn Gott zu mir sagt: Mein Lieber!, dann weiß ich: ich gehöre zur großen Familie der Kinder Gottes. Dann verändert das meinen Alltag. Vor allem dann, wenn ich die Worte nicht nur höre, sondern mich selbst so sehe: Ja, ich bin ein geliebter Mensch. Es ist die Kernbotschaft des christlichen Glaubens: Du bist ein von Gott geliebter Mensch.

Mit welchem Gefühl startest du in den Tag, wenn dir der lebendige Gott morgens als Erstes ins Ohr flüstern darf: Guten Morgen, mein Lieber! Nicht schmeichelhaft, nicht ironisch, sondern ehrlich und aufrichtig: Du bist mein geliebtes Kind! - Und wie reagierst du darauf?

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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